Seit einigen Wochen spüre ich eine Veränderung. Ich denke positiver und fühle mich insgesamt besser als vorher. Dass die Tage kürzer, dünkler und kälter werden, macht mir diese ungewohnte Entwicklung besonders bewusst.

Heute bin ich später als sonst von der Arbeit heimgekommen und war verspannt vom langen Sitzen. Ich hatte Lust, mich zu bewegen und bin einfach laufen gegangen. Das habe ich zum letzten Mal wahrscheinlich vor über zwei Monaten gemacht. Oft dauert es länger, bis ich mich überwinden kann und dann so richtig reinkomme. Heute ist es mir dabei richtig gut gegangen und ich konnte Anregungen für diesen Blogbeitrag sammeln. Ich habe das genossen, einfach abzuschalten und mich nur auf die Strecke und meinen Atem zu konzentrieren.

Ich bin den gleichen Weg gelaufen wie schon seit Jahren. In der Dunkelheit sind mir die vielen Eindrücke intensiver vorgekommen als am Tag. Es ist eine interessante Strecke an der Donau entlang, vorbei an Baumreihen, Brückenpfeilern und Bahngleisen. Das hat sich gut angefühlt, mich frei bewegen zu können – einfach dieses Gefühl, dass ich jederzeit meine Geschwindigkeit und Strecke ändern kann. Oder umkehren, wenn es mich nicht mehr freut.

Die Nacht hat die Details der Umgebung hervortreten lassen, zum Beispiel die Kaninchen am Wegesrand oder die gelben Straßenlaternen. Die beleuchteten Bürotürme am anderen Ufer haben bei mir diesmal positive, ermutigende Eindrücke ausgelöst. Ich erinnere mich daran, dass mir dieser Anblick früher negativ aufgefallen ist. Reframing – das Umdeuten von Situationen – ist ein unscheinbares, sehr wirksames Werkzeug. Statt der Einschränkungen konnte ich mich auf meine Möglichkeiten konzentrieren. Auf das, was noch vor mir liegt.

Was mir beim Laufen normalerweise schwer fällt, ist, die negativen Gedanken abzuhängen. Heute habe ich sie schon beim Start hinter mir gelassen. Ich sehe das gute Leben jetzt als eine gelassene Grundhaltung, die das Schöne dankbar begrüßt und mit dem weniger Schönen fertig wird, so gut es geht.

Dabei ist mir der Gedanke gekommen, ob das nur eine Phase ist, die wieder im Alltagsgrau verlaufen wird. Mir gefällt die Perspektive, dass ein Ab nach dem Auf dazugehört. Dieses leichte Lebensgefühl ist ein Teil von mir. Bestimmte Zeiten und Orte lassen es stärker aufleuchten als andere. Ich denke, ich kann das zu einem wichtigen Teil selbst kontrollieren.

Kann sein, dass ich demnächst wieder laufen gehe und diese gute, leichte Gefühl nicht mehr so intensiv ist. Egal, irgendwie komme ich da wieder hin.