Ich schaue nicht so oft Filme. Auch bei den Serien halte ich mich in letzter Zeit zurück. Den letzten Film habe ich vor etwa zwei Monaten im Kino gesehen. Wenn ich zuhause einen Film beginne, merke ich, wie meine Gedanken immer wieder abschweifen. Meine Aufmerksamkeitsspanne hat nachgelassen. Ich denke, das liegt daran, dass ich seit Jahren zu viele Ablenkungen habe, beruflich wie privat.

Die ständigen Unterbrechungen durch WhatsApp und andere Apps, und mein dauerndes Bedürfnis nach neuen Eindrücken lassen meinen Fokus instabil werden. Das ist eine Art Auslöschung. Eine unberechenbare Strömung, die ein Teil von mir geworden ist. Auf jeden Fall ein Thema, an dem ich weiter arbeiten werde.

Unheimliche Heldenreise

„Auslöschung” (im Original Annihilation) ist auch der Titel eines Science-Fiction-Films, der mich beeindruckt hat. Es geht darin um die Wissenschaftlerin Lena, deren Mann bei einem geheimnisvollen Einsatz verschwindet und nach langer Zeit wieder auftaucht. Sie erkennt ihn nicht wieder, irgendetwas ist mit ihm passiert. Lena wird dann selbst Teil eines Teams, das in eine gefährliche, fremde Zone aufbricht.

Die Geschichte trägt deutliche Züge der Heldenreise. Das ist ein Muster, nach dem viele Mythen, Romane und Filme aufgebaut sind: Der Held macht sich auf den Weg in eine neue Welt, stellt sich Gefahren, trifft Freunde und Feinde und kehrt verändert zurück. Der allererste Star-Wars-Teil ist dafür ein gutes Beispiel. Auslöschung läuft im Grunde auch nach diesem Muster, ist allerdings aus meiner Sicht kein gewöhnlicher Film. Das liegt an der fremden Welt, die immer bizarrer wird, je weiter Lena in sie eindringt. Diese Welt hält sich nicht daran, wie Leben normalerweise funktioniert. Lena muss sich dem Unfassbaren stellen.

Lovecrafts Schatten

Der namenlose, unsichtbare Schrecken – für mich trägt das die Handschrift des Autors H.P. Lovecraft. Mich fasziniert der Gedanke, auf etwas zu treffen, das größer und furchtbarer ist als wir Menschen und das, was wir uns aufgebaut haben. Vor Jahren habe ich Lovecrafts Cthulhu-Mythos kennengelernt – ein fantastisches Universum, in dem Menschen mit ihrer Bedeutungslosigkeit in einem finsteren Kosmos konfrontiert sind.

Lovecraft hat die meisten seiner Werke in den 1920er-Jahren geschrieben. Die Erfahrungen, die darin stecken, sind heute aktueller als damals. In unserer vernetzten, hell ausgeleuchteten Welt sind Schattenreiche, wenn sie sich doch einmal zeigen, umso furchtbarer. Die Angst vor dem Fremden und Ungewohnten, besonders vor dem Geheimnis von Geburt und Tod, lässt uns nicht los. Und wenn ich „uns“ sage, meine ich mich.

Flüsterer im Dunkeln

Zurück zum Film: Er hat mir an mehreren Stellen Gänsehaut bereitet. Wenn so etwas passiert, freue ich mich. Das zeigt mir, dass ich nicht so abgestumpft bin, wie ich mich manchmal fühle, oder – um im Horror-Genre zu bleiben – dass noch Blut aus der verkrusteten Wunde rinnt (ein gutes Zeichen!). Das liegt nicht nur an den Spezialeffekten, die die seltsame Macht im Film zum Leben erwecken. Auch der Soundtrack trägt stark zu einer ständigen unterschwelligen Bedrohung bei. Ich höre gern Filmmusik. Komponisten wie John Williams und Hans Zimmer haben es erreicht, dass Zuschauer noch intensiver in Bildwelten wie Star Wars eintauchen können. Der Film Auslöschung hat hingegen einen Soundtrack, der weniger wie Musik klingt und mehr wie eine fremdartige Sprache, die unheilvolle Spannung verbreitet.

Mich hat der Film dazu bewegt, über das Leben und mich selbst nachzudenken. Im Laufe der Handlung muss sich die Hauptfigur Lena mit sich selbst auseinandersetzen. Und mit dem Fremden darin. Dieses Bild löst in mir den Wunsch aus, mich stärker für das Fantastische und auf den ersten Blick Bizarre zu öffnen. Für die Bewegungen, die mich schon länger begleiten und die nicht auslöschen, sondern erschaffen wollen.